Hurra! Mein eigener Internet-Anschluss geht wieder...
ich kann beim Arbeiten wieder Radio hören und die Bilder hierhin hochladen macht so auch mehr Spaß.

Dienstag, 13. Juli 2010

Arne's Höhenrekorde

Wir sind nie wirklich hoch auf Berge gegangen - jedenfalls nicht auf etwas, was ein Nepalese "Berg" nennt.
Ich hatte nicht vor, irgendwo bei -30°C im Schneesturm zu verenden.
Trotzdem hat sich in Nepal das erste Mal echte Höhenluft bei mir bemerkbar gemacht.

Aber erstmal, nur um mal die Verhältnisse mit Europa zu vergleichen - in Nepal gibt es doch eine gewisse Inflation bei Höhenmetern:
  • Vaalser Berg: 322m (Holland... verursacht schmunzelndes Grinsen in Nepal)
  • Katzenbuckel: 620m (Höchster im Odenwald, Heimat-Radelrekord)
  • Botrange (Hohes Venn, Eifel): 694m (700m - Belgiens Höchter, Aachener Radelrekord)
  • Timmelsjoch: 2509m Mein absoluter Fahrrad-Höhenrekord
  • Fuß des Aperen Freigers, Stubaital - ca. 2900m Mein bisheriger Höhenrekord, hier bereits Oberhalb eines Gletschers
  • Zugspitze: 2962m (da war ich noch nicht - aber kennt man)
  • Großglockner: 3798 (da war ich auch noch nicht - Österreichs höchster, aber auch den knacken wir noch in Nepal, völlig ohne Bergsteigerausrüstung)
So - alles was unter 6000m ist und obenrum manchmal noch grün ist - also nicht das ganze Jahr schneebedeckt ist, nennt man in Nepal "Hügel"... Süß!


An einem Morgen geht es hoch auf den "Poon Hill" mit schlappen 3210m - für mich der erste persönliche Höhenrekord in Nepal.
Hier oben ist noch alles grün - hier würden Bäume wachsen, wenn sie denn nicht von fröstelnden Dorfbewohnern verheizt worden wären...


Hier hat man eine prima Aussicht auf Dhaulagiri (7. höchster Weltweit), Annapurna (Nr. 10), Nilgiri (7061m) und den Machapucharé ("nur" 6997m - aber nie bestiegen)... wenn denn klare Sicht herrscht. Wir haben Nebel :-( Aber nach einer Stunde Geduld, nachdem die meisten Leute schon aufgegeben haben reißt doch noch einiges auf!!!

4000+



Den höchsten Punkt unserer Wanderung erreichen wir bei einem kleinen Nachmittagsspaziergang. Unser Hotel war schon auf so 3700 m - und das bisschen wollten wir dann auch noch knacken. Die dünne Luft macht sich tatsächlich bemerkbar. Alles kein Problem - außer man will die Strecke joggen - da kommt man doch zügig aus der Puste.

Auf 4120m treffen wir auf eine kleine Hütte mit Kuhstall, kleiner Terrasse und Tisch mit Blümchen-Tischdecke.
Wir gönnen uns ein Tässchen Tee... bestell' mal auf der Höhe in den Alpen einen Tee - aber bitte mit Milch und Zucker und das Ganze serviert auf der Terrasse! ... für 50 Cent.


Hier fühl ich mich mit meinen ostriesischen Wurzeln fast zu Hause - nur diese Höhenmessung auf Jan's Nokia passt nicht ganz ins Konzept zu der Teetasse und der Blümchen-Tischdecke.

Bananen, Reisfelder, Nadelwälder und Wüste mit Apfelbäumen

Man hört manchmal "In Nepal sieht man beim Wandern verschiedene Vegetationszonen". Hört sich son bisschen nach Blabla von meiner alten Erdkundelehrerin an... Tatsächlich kommt man durch ein paar Ecken mit etwas verrücktem Klima.

Konkret heißt das: Du kommst an einem Tag zu Fuß vom Bananenbaum in den Nadelwald und am nächsten Tag in die Wüste


Morgens beim Aufwachen hast du vor deinem Fenster einen Bananenbaum stehen und das Tal ist voll mit Reisfeldern auf Terrassen...


...und am Abend danach bist du in einem Rodhodendron-Urwald.


Oben auf dem Poon Hill sind die Temperaturen und das Wetter eher Schottisch-Neblig. Hier kommt der Pulli ins Spiel.


Nach einem "kleinen" Abstieg mit 2000m Höhenunterschied bist du am nächsten Abend wieder in der Bananen-Reis Zone, wirst wieder von Mücken gejagt und im Zimmer ist es zu warm - denn es gibt keinen Venti


Wieder hoch auf 2500 m -> Du bist plötzlich in Österreich. Ein netter Nadelwald vor deiner Bude - Und Haschpflanzen im Unterholz, die hier wie Unkraut wachsen. Mir ist jetzt klar, warum das Zeug auch "Weed" genannt wird... im Hintergrund die Gipfel des Dhaulagiri (8167m - siebthöchster Berg der Erde).


Direkt neben dem "Österreichischen" Gebirgsnadelwald wachsen am Flußufer Sanddorn-Büsche - kenn ich sonst von ostfriesischen Inseln, da werden Sanddornbüsche aber nur einen halben, manchmal einen Meter hoch. Aber auch hier schenkt man Besuchern gerne Sanddorn-Saft ein. Aufgesetzten mit Rum oder Korn hab ich nicht auf der Karte gefunden.


Einen Tag weiter und du stehst bei prallem Sonnenschein in einer Wüste mit erfrischenden deutschen Temperaturen. An den 8000ern kommt keine Wolke vorbei. OK - ein paar Wolken schaffen es doch noch, aber man kann dirket zuschaun, wie die sich auflösen, während sie in Richtung Tibet ziehen. Jetzt ist mir klar, warum die meisten Fotos von Tibet vor allem ocker-braune Hügel zeigen... Das ist nicht unbedingt weil's da zu kalt ist - die kriegen einfach keinen Regen ab.



In kleinen Oasen wachsen Apfelbäume - und daneben gibt's Weizenfelder, wo der Bauer noch per Hand säht und mit dem Ochsen pflügt. Alle möglich durch Bäche, die von den Bergen kommen und durch Kanäle auf die Felder geleitet werden.


Ein paar Schritte aus der Wüste raus in ein Seitental und man befindet sich im Norwegischen Fjell mit Flechten auf den Steinen. Funktioniert, weil hier immer eine Wolke im Tal hängt da der Wind immer aus der gleichen Richtung kommt (adiabater, reversibler, stationärer Kontiprozess ;-)


Und schließlich sieht man die Bergspitzen auf denen einfach mal -30°C herrscht während man unten im Tal in Shorts und Sonnenbrille die Füße in den erfrischenden Bach hält. Das hier ist die Annapurna-Gruppe, der Hauptgipfel ist der linke von der Dreier-Gruppe in der Bildmitte.

Nepalesische Bergbürokratie

EINREISE

Die Einreise war recht einfach. Man muss kein Visum mitbringen, das gibt es direkt beim Zoll am Flughafen und kostet für 15 Tage 25$ oder 24€. Man kann mit fast jedem Bargeld bezahlen, aber nicht mit indischen Rupien... wir zahlen in Euro, bekommen Dollar-und Nepal-Rupien-Wechselgeld - und haben jetzt 4 Währungen im Geldbeutel.Aber immerhin: Außer sich selber muss man nur seinen Reisepass, ein paar Euros, sich selbst und ein Passfoto!!! (Wie immer...) mitbringen. Das Passfoto muss nicht Biometrisch sein - MUSS aber mitgebracht werden - vor dem Zoll gibt's keinen Fotoautomaten!

TREKKING PERMIT

Hier in Nepal dar nicht einfach jeder so durch die Berge rennen - nachdem wir schon bei unserer Einreise für das Visum ein "Passfoto" , wenn man es direkt am Flughafen beantragen will) verbraucht haben, brauchen wir für den "Trekking Permit" 3 weitere Fotos auf diversen Anträgen.
Während unser Papierkram bearbeitet wird, gehen wir ne Runde am See spazieren - sieht gnaz hübsch aus, und Frühstück gibt's auch noch: Tomatensuppe und Naan.

Bishwa, unser Fremdenführer

Bis jetzt haben Jan und Ich jeden Urlaub irgendwie auf eigene Faust auf die Beine gestellt - oder einfach Freunde aus Übersee zu Hause besucht.

In Nepal kennen wir niemand, aber nach ein bisschen herumgegoogele haben wir eine Adresse von einem "Experten", der bereits von einigen Deutschen Urlaubern empfohlen wurde. Bishwa ist ein unabhängiger "Porter Guide" - kennt sich also prima im Gelände aus, berät bei der Routenplanung, hilft bei der Suche nach einem leckeren Mittagessen und dem Hotelzimmer mit dem richtigen Ausblick, verhandelt (hart) mit den Hotels übersetzt, denn in fast jedem anderen Tal gibt's ne komplett andere Sprache ... und er quatscht mit dir unterwegs über Nepal, alle möglichen Götter und die Welt.

Wir sind wohl die jüngsten Kunden bis jetzt - aber sonst hatte er schon alles: Lufthanse Käptn mit seiner Frau (Flugbegleiterin, was sonst), französische Hanf-Freunde, komplette deutsche Familien mit Kind und Kegel - ganze Reisegruppen...Obwohl er noch in einem größeren Flieger als einer De Havilland Twin Otter gesessen hat, hat er schonmal von einer Lufthansa Stewardess 5500m über dem Meer ein Glas Sekt eingeschenkt bekommen... auf dem Thorung La Pass statt in der Ersten Klasse, aber das hat auch was.

Im Nachhinein: Bishwa war für uns die "Schöne-Urlaub-Versicherung" und hat einfach alles eingestielt. Alles was wir ihm gesagt haben war "Bergsteigen mit Klettern können wir nicht - dünne Luft nur in vernünftigen Maßen - Kondition mit einen ganzen Tag Laufen ist kein Problem - unseren Rucksack schleppen wir selber - zeig uns mal ne schöne Ecke!"... und das hat er getan für gerade mal 100€ für mehr als eine Woche.Das Geld war's dann einfach mal Wert - im Zweifelsfall wäre das Doppelte im Nachinein auch noch ok gewesen. (Dieser Preis ist allerdings mit Studenten, Kleingruppen- und Nebensaison-Rabatt und versteht sich exklusive Mahlzeiten, Übernachtungen und Busfahrten. Bitte nicht wundern, wenn Bishwa bei der nächsten Anfrage teuerer geworden ist! Ich hab die Zahl mal reingesetzt, um klarzumachen, dass der ganze Spaß bezahlbar ist.)

So, das war ein bisschen Werbung - wenn jemand Bishwa's Dienste in Anspruch nehmen möchte, einfcah mal auf seiner deutschen (!) Seite nachsehen - die hat ihm ein anderer zufriedener Kunde eingerichtet:
-->BISHWA'S WEBSITE <--



Jan und Bishwa im Reisfelder-Bewässerungskanal - Erfrischung muss sein

Pokhara - Nepalisch Patenkirchen oder so...

POKHARA

Pokhara ist die drittgrößte Stadt von Nepal. Die Taxifahrer und Hotelschlepper schaffen es, am Bushof einen geschlossenen Kreis um uns zu schließen, bis uns unser Reisführer und Übersetzer Bishwa am Bushof rettet.

Erstmal mit dem Taxi ins Hotel- und Touristenviertel am Seeufer. Unser Hotel "Boardwalk" ist komplett leer - es ist nebensaison.

Hier finden wir zum allerersten Mal seit wir Deutschland verlassen haben Klopapier im eigenen Badezimmer und eine warme (!) Dusche!!!!


Am Morgen gibt's lecker Aussicht auf einige 7000 er der Annapurnagruppe und den nie bestiegenen Fisch-Schwanz - direkt aus dem Fenster von unserem Hotelzimmer.


Das Ufer am Phewa-Sees sieht verdächtig nach Urlaub aus.

Straßenverkehr in Nepal - Autsch!

ERSTER EINDRUCK
Vor dem Terminal von Taxi-Fahrern überfallen worden - erstmal Geld am Automaten geholt und schön zum Prepaid-Taxi-Schalter - und ab zum Bushof, der hier in kathmandu nur ein kleiner Schotter-Seitenstreifen an der Bundesstraße ist.

Auf dem Weg dahin stellen wir fest: Im Vergleich zu Mumbai ist Kathmandu schon fast ein Luftkurort mit angenehmen, fast deutschen Temperaturen - und der Verkehr kommt uns in der Stadt auch etwas weniger wuselig vor.

Nachdem wir wahrscheinlich zu viel dafür bezahlt haben, setzen wir uns in einen schönen neuen Toyota-Hiace Bus. (Vans und ihre Fahrer werden nicht alt in Nepal...) Eine Bettlerin mit Kind greift durch das Fenster und grabbelt an Jan rum. Der Bus fährt erst los, wenn auch die Hocker im Mittelgang voll sind... Auf der Heckbank sitzen wir zu 5.

Hatte ich schon erwähnt? Ich kann Mütter, die ihre Kinder zum Betteln mitnehmen, nicht ab... egal ob in Nepal am Bushof, oder in Deutschland in der Winterkälte vorm Aldi.

EINE BUSFAHRT, DIE IST TÖDLICH

Von Kathmandu nach Pokhara sind es ca. 200km auf der Landstraße. (Leider) ist die Straße Asphaltiert -> Die Fahrzeuge können so schnell Fahren, das Frontalkollisionen Lebensgefährlich werden.

Es gibt Länder, die vielleicht besser nie Autos bekommen hätten... Belgische Autofahrer genießen nicht den besten Ruf - ich hab auch schon Polen, Ukraine, Mumbai und China gesehen... die schnallen sich alle nicht an und fahren schon ziemlich bescheuert. Aber die Nepalis sind schlimmer!


Nirgendwo sonst hab ich so viele Busse und LKW an der Kante zum Abgrund hängen sehen während die Fahrgäste noch aus dem Heckfenster aussteigen.

Das volle Programm: Blutige Menschen auf der Pickup-Ladefläche, umgekippter Bus, LKW rückwärts ins Haus gerollt und unzählige zermatschte Fahrzeuge am Straßenrand. Typischerweise sind jeweils die Fahrerkabinen zerfleddert, weil mal wieder ein Überholmanöver schief gelaufen ist.


Unser Mini-Van hat nur eine Reifenpanne. Während das Rad gewechselt wird, heizen die LKW mit voller Geschwindigkeit an uns vorbei - sie wollen den Schwung behalten. Gegenverkehr ist nicht wichtig - man muss dan eben hupen. Wir steigen aus und beobachten das aus LKW-Sicherer Entfernung. Ein paar Kilometer später wird der platte Reifen in einer Reifen-Flick-Werkstatt am Straßenrand abgegeben und wieder an den Bus montiert. Der Ersatzreifen hatte KEIN Profil mehr...

Der moderne Motor erlaubt unserem Fahrer leider zu fahren wie ne gesengte Sau. Wir überholen alles was wir sehen - niemand überholt uns.

RÜCKFAHRT

Ein Schlauchboot im Fluss und ein Stau - so einen langen Stau auf der Landstraße hab ich nichtmal bei Rock am Ring gesehen. Irgendwo da vorne ist eine Überholung schief gelaufen: Bus gegen LKW - beide Fahrerkabinen jeweils auf der Fahrerseite zermatscht bei den Fahrgästen bin ich mir nicht sicher, aber die Fahrer brauchten wohl keinen Krankenwagen mehr.


Fazit: Ich empfehle jedem Nepal-Urlauber, ein Flugzeug zu nehmen. Nepalesische Kleinflugzeuge haben zwar nicht den besten Ruf und ich denke, dass so manche Fluggesellschaft auf der schwarzen Liste der EU steht. Die Liste mit Unfällen auf Wikipedia ist lang - aber mit Fliegern passiert nicht jeden Tag eine Massenkarambolage, denn da oben gibt's nicht soviel Gegenverkehr, der um jeden Preis überholen will. Echt jetzt. Zur Not kommt vielleicht noch ein großer Bus in Frage. Bei einem Crash hat man dann noch ein paar Tonnen unterm Arsch, die den Unfallgegner wegrammen - Impulssatz oder so... Wirklich auf keinen Fall einen Kleinbus nehmen, auch wenn man einen Tag länger brauchen sollte!

Dienstag, 6. Juli 2010

Mumbai, Kathmandu, Timbuktu... alles dat gleiche, oder? (FR 18.6.)

EINE FELSWAND ÜBER DEN WOLKEN



Die Wolken da hinten am Horizont sind nicht gut für Flugzeuge - da durchfliegen tut weh!
Hier wird gerade ein ganzer Kontinent als Wand durch die Wolken gedrückt... Man sieht schonmal Berge aus dem Flieger - aber "ebenerdig" zu meinem Flugzeug in voller Reisehöhe - das hab ich so noch nicht gesehen. Unser Pilot weiss wohl, was er macht, während er genau darauf zu steuert...

Mumbai - Kathmandu. Klingt beides irgendwie nach Timbuktu...

Die Landung geht zeimlich schnell - gerade noch über den Wolken gewesen, tauchen direkt darunter grüne Hügel auf - ein kurzer Tiefflug über grüne Wiesen im Talkessel und schon sind wir gelandet. Wenn der Flughafen auf 1300 m liegt, muss man mit dem Flieger halt nicht mehr so weit nach unten...

Beim Frühstück an Bord bei Jet Airways mit Omelette und Butterbrot finden wir zum allerersten Mal ECHTE Marmelade in Indien. Marmelade in Indien ist eigenltich immer irgendein Gelée mit etwas roter Farbe und irgendeinem Geschmacksstoff - mit freundlichen Grüßen von BASF ;-)

Außerdem müssen wir unsere Uhren umstellen - um eine Viertel Stunde...
Indien liegt in der Zeitzone GMT +5:30 - das mit der halben Stunde ist zwar schon etwas schräg, aber die Nepalis setzen noch einen drauf: GMT +5:45.
Denke nie, du hast schon alles gesehen... Asien ist immer gut für Überraschungen, in allen Lebenslagen.