Hurra! Mein eigener Internet-Anschluss geht wieder...
ich kann beim Arbeiten wieder Radio hören und die Bilder hierhin hochladen macht so auch mehr Spaß.

Dienstag, 17. August 2010

Independence Day in Pune (14. /15. 8.)

Indische Zugfahrt... Am Bahnhof von Thane (Nachbarstadt von Mumbai) herrscht Partystimmung im Gleis. Natürlich kann man Eisenbahnbrücken auch zu Fuß benutzen... ist ja auch keine andere Brücke da. Es ist gerade das Wochenedne mit dem indischen Unabhängigkeitstag... Jupp, hier in Indien wird der Independence Day nicht am 4.Juli gefeiert - die haben ihren eigenen.

Unser Zug fährt mit uns durch die Western Ghats - eine extrem Eisenbahn-Unfreundliche Ecke... so ähnlich wie die Schwäbische Alb an der Geislinger Steige, nur um einiges Höher. Der Zug windet sich durch den Dschungel, vorbei an Wasserfällen und ziemlich hohen Felsklippen bis wir auf 620m über dem Meer angekommen sind.

Auch der Bahnhof von Pune ist eher son Party-Bahnhof. Auf den Bildschirmen, wo man auch sowas wie die Abfahrtszeiten und Gleise der nächsten Züge zeigen könnte, läuft Tom und Jerry. Die Bahnhofslautsprecher spielen die dazugehörige Schlägerei-Musik.

Natürlich fährt unsere Rikscha einen Umweg, um das Taxameter noch ein bisschen länger laufen zu lassen... aber alles nix neues...

Im Hotel selber die Überraschung: Wir haben zwar schon bezahlt, kreigen aber kein Zimmer. Ohne eine Kopie unseres Visums wollen die uns keine Schlüssel geben.


Voll Moppelkotze, aber es gibt ja noch den hier:



Mittagessen!!! Für wieder mal circa kein Geld kann man sich hier mit Dosa sattfuttern - ist im Prinzip ein Crêpe mit Kartoffelbrei und Gemüse drin. Mjammm!


Maschinenbauer in Pune - ich mag die Zahnräder


Elektrotechniker gibt's hier auch - wenn du neue Spulen für deinen Stromausfall-Notgenerator brauchst, hier kann man dir weiterhelfen.


... und so sieht die ganze Firma S.R. Electricals von außen aus - voller Service vorhanden!


Und ein bisschen mechanische Verfahrenstechnik beim Müller. Hier malt man noch selber! Die Kinder wollten unbedingt ein Foto...


Jan hat eine Käse-Dosa gefunden.

Besuch aus Korea (5. - 6.8.)

Unser koreanischer Kumpel Yongseok hatte die Idee, mit seinem Kumpel Rün in Indien Urlaub zu machen...
Selber Schuld ;-) Aber wir freuen uns über seinen Besuch!

Dummerweise landet er mitten in der Nacht, 5 Stunden bevor unser Nachtzug aus Rajasthan in Mumbai ankommt. Ankit war zum Glück so nett, die beiden mit einem original koreanischen Namensschild am Flughafen abzuholen...

wir konfrontieren die beiden gleich mal mit nem Frühstück in der Mensa des Nachbar-Hostels. Hier kann man eigentlich ganz gut frühstücken - es gibt unter anderem Cornflakes und Kakao... Während unseren Vormittagsvorlesungen schlafen sich die beiden bei Jan in der Bude aus und danach gibt's lecker Mittagessen im Utsav-Restaurant... gegrillte, rot mariniertes Hühnchen :-)

Beweisfoto vor dem Hauptgebäude

Unsere Besteigung auf den Universitätshügel brechen wir ab, nachdem wir eine grüne Schlange gesehen haben, die so lang war, dass sie komplett quer über die Straße reichte...

Schon am nächsten Tag machen sich die beiden auf zum Bahnhof, um einen Zug nach Jaipur in Rajasthan zu schnappen.

RAJASTHAN (31.7. - 4.8.)

Unser Nachbar Sanmati hat gerade fertig studiert, eine Stelle in Bahrain (son Öl-Emirat im Golf) abgestaubt und ein bisschen Zeit, sich baumeln zu lassen - aber wirklich nur ein bisschen.

Er lädt uns zu sich nach Hause ein... da können wir natürlich nicht nein sagen und schwänzen ein paar Vorlesungen.

Nach 17 Stunden Zugfahrt im 3. Klasse-Klimaanlagen-Schlafwagen werden wir auf dem Bahnsteig von Ramganj Mandi hawaiianisch begrüßt. Aloha sagt niemand, aber wir kriegen Blumenkränze um den Hals und schütteln erstmal 15 Hände.

Wenn man Inder dabei hat, überquert man die Gleise im Bahnhof ohne den lästigen Umweg über die Überführung - der Güterzug, der am anderen Bahnhofsende schon hupt und gar nicht mal so langsam unterwegs ist, stört hier niemand. Vor dem Fahrkartenschalter wartet eine Kuh. Hinten an unserem Zug hängt noch ein Milch-Tankwagen. Ich glaube, jetzt bin ich wirklich in Indien.

Sanmatis Verwanstschaft wohnt gleich um die Ecke. Hier gibt's erstmal Tee auf der Couch bzw. Ehebett im Wohn-/Schlaf-/Arbeitszimmer des Gasgebers.

Danach gibt's ein paar Firmenführungen:



Einmal im Koriander Fachgroßhandel mit Koriandersortiermaschine und Kamel vor der Tür...



... und im Steinbruch.


Der "Kotha-Stein" wird hier in der Gegend überall als Fliesen verbaut...



...nachdem er geschnitten,...


geschliffen und poliert wurde. Diese Mitarbeiter brauchen keinen Gehörschutz, denn sie sind schon "very experienced" nach 5 Jahren Betriebszugehörigkeit.




Das ist der Laden von Sanmati's Papa in Khanpur. Ich hab mich mal als Kokosnussverkäufer versucht, hab die Stelle aber nicht bekommen.


Sanmaits Familie hat einen Bauernhof. Das hier ist der Mitarbeiter des Monats.


. Trekkerfaaaaaahn!!! Nach einem Monsunschauer stehen die Feldwege unter Wasser - der Trekker pflügt durch 10 cm tiefe Bäche.


Hier fehlen mir so ein bisschen die Worte. Ernst gemeinte indische Gastfreundschaft ist einfach überwältigend - die Teller beim Abendessen werden einfach nicht leer - alles andere würde eine indische Hausfrau auch nicht auf sich sitzen lassen.



Alle freuen sich, dass wir da sind - vom Opa bis zur kleinen Tschutschu

Den Papa von unserem Gastgeber erkenne ich zuverlässig - ich schaff es nur nicht auseinander zu halten, wer hier jetzt Ehefrau vom Bruder vom Onkel Mütterlicherseits war... indische Familien sind einfach groß!

Sanmatis Famile ist über mehrer Städte in der Gegend verteilt - wir klappern 3 Städte ab.


Die Verwandtschaft in Iklera hat einen netten Kinderspielplatz im Garten. Tschutschu hat Spaß (die kleine rechts auf der Leiter).


Besonderes Highlight: Wir sehen sein erstes Date mit einem "Wedding Proposal". Seine Mama hat ihm eine Frau ausgesucht und er soll sie jetzt mal beschnuppern, ob sie ihm denn auch gefällt. Hier treffen zwei Familien aufeinander - insgesamt sitzen so um die 40 Leute im Wohnzimmer des Rohbaus vom neuen Haus von Sanmaits Familie.
Immerhin: die beiden womöglich zukünftigen Eheleute haben so 20 Minuten Zeit, sich "ganz privat" unter vier Augen auf der Dachterrasse zu unterhalten. Wir warten in Abhör-Sicherem Abstand und passen auf, dass Tschutschu nicht vom Dach fällt.


Der Familie ist das Haus in der Innenstadt von Khanpur zu klein geworden - jetzt muss ein Palast her! Das ganze Haus, von dem wir den schon fast Bezigsfertigen Rohbau sehen, ist komplett mit Marmorboden ausgelegt, die Decken sind voll mit Stuck, draußen die Säulen aus handgemißeltem Sandstein... arm ist die Familie jetzt nicht.



Wir werden im Gästehaus des örtlichen Tempels untergebracht.

Der Tempel ist voll mit recht filigran gemeißeltem Sandstein...


...der hier noch vor Ort von einem Steinmetz bearbeitet wird. Der Job ist hier ein bisschen abwechslungsreicher, denn in Indien macht ein Steinmetz nicht nur Grabsteine.


So sieht's in dem Tempel innen drin aus.

Sanmatis Familie ist Jain - das ist eine besondere Richtung des Hinduismus. Im Alltag macht sich das dadurch bemerkbar, dass Jains nicht nur strenge vegetarier sind - auch Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch werden nicht gegessen. Hier muss man ja die Pflanze töten, um das Zeug zu ernten...
Das macht aber alles nichts - wenn man nicht in Deutschland ist, kann man auch mit anderem Gemüse ziemlich lecker kochen.


ROADTRIP
Wir machen einen Ausflug durch Rajasthan. Dort cruisen wir mit einem klimatisierten Geländewagen von Tata über eine indische Autobahn. Dia Autobahn könnte so auch in Deutschland stehen - angenehm wenig Verkehr, aber Vieh und Trecker auf der Fahrbahn.
Nach ein bisschen Suchen finden wir sogar Anschnallgurte unter den Polstern. Tatsächlich hat dieses Auto die Tata-Motorwerke noch vor 3 Jahren mit Klimaanlage und elektronischen Fensterhebern, aber ohne AIrbags verlassen.
Mit Sicherheitsausstattung hat man es in Indien nicht so - haben Hindus nicht sowieso mehrere Leben?


Erste Station: Wir bringen Sanmati's Cousine zurück in ihr College. Jan muss einmal kurz mitspielen, damit sie ihren Freundinnen erzählen kann, dass sie einen Freund hat - aus Deutschland.




Die Festung Chittorgarh in Rajasthan - das Ding thront oben auf einem Tafelberg



Und hat - damit man es nicht durch Belagerung erobern kann - einige Wasserspeicher... auch mit Inseln drin.


Wildschweine - und kein Obelix in der Nähe.


Tempel-Gedöns...


...überall klettern Affen rum. Sieht aus wie im Dschungelbuch: YOUTUBE-LINK


Irgendwas guckt mich mit Riesen-Glubschaugen an.


Noch ein Wasserspeicher.

SEMESTERANFANG (22.7.)

Hurra!

Die Vorlesungen gehen los... die meisten jedenfalls.

Wie in Aachen weiß man auch hier in Indien nie genau, welcher Prof die erste halbe Woche vom Semester noch zu Hause bei der Familie verbringt oder schon Vorlesungen gibt...

Ein paar Fächer gefallen mir nicht - für komische Integrale ist kein Platz in Technischen Wahlfächern!

... zum Uni-Alltag muss ich wohl nochmal was genauerers Schreiben - ist halt ein bisschen anders so mit Anwesenheitspflicht und sonem Quatsch.



Vor unserem Abflug nach Chennai mussten wir pro Person ca. 2000 US-Dollar in Cash zahlen - aber bitte mit indischem Bargeld.
Was größeres als 1000 Rupien (17€) gibt's als Schein nicht... und so sieht das dann aus.
Mit meiner SparCard kann ich zum Glück auch ohne Gebühren abheben - das Limit pro Abhebung wird in diesem Fall aber bauartbedingt vom Geldautomaten gesetzt: Mehr als 40 Scheine gehen auf einmal nicht durch den Schlitz, damit, dass jemand mal mehr brauch, hat der Automatenbauer, der bestimmt in den USA sitzt, nicht gerechnet...
Es fühlt sich schon komisch an, für Jan und mich und jeweils 100.000 Rupien "Ein Lakh Rupien" aus der Kiste zu ziehen und die Bündel mit der Rikscha durch Bombay zu fahren.
Geldtransporte macht man eben entweder gut gepanzert oder gut getarnt.

SÜDINDIEN (18.7.)

CHENNAI
Um nochmal vor Vorlesungsbeginn unsere Reisefreiheit auszunutzen machen wir noch einen Trip nach Chennai.

In Chennai versacken wir in unserem schönen Hotelzimmer mit Klimaanlage, kräftiger warmer Dusche und Original Haribo-Colaflschen-Shampoo... Man riecht sogar das Gummi raus und glaubt, man kaut gerade darauf herum.

MAMALAPURAM
Mit dem Überlandbus auf in Richtung Süden an der Ozeanküste entlang. Zwischendurch hüpfen wir aus dem Bus raus,...

um an den Strand zu gehen. Damit den kleinen Kindern nicht langweilig wird, hat jemand ein paar Karussels aufgestellt. Antrieb entweder durch Muskelschmalz oder Benzin-Rasenmäher-Motor. Ja, und der Strand war wirklich hübsch!


Ist echt hübsch hier und an allen Ecken stehen Steinmetze, die einem tanzende Elefantengötter aus Stein gemeißelt verkaufen wollen.



AAAA! Ihr müsst da weg... Steinschlag!

PONDICHERRY


Hier hat mal eine andere Kolonialmacht Spuren hinterlassen. Die Franzosen waren hier und haben Café au lait und französisch sprechende Inder hinterlassen.



Neben dem Pool auf dem Hoteldach finde ich ein Asterix-Mosaik...



An der Strandpromenade steht ein Trecker mit kleinen Kühen auf der Stoßstange.


Bitte rettet mich! ...mit einem richtigen Krankenwagen.


Luxus für einen deutschen Jugendherbergs-Preis. Unser Hotel in Pondicherry. (Hotel Annamalai) Mal richtig Glück gehabt beim Aussuchen...
RÜCKFLUG
Weil unser Bus schon 8 Stunden vor Ablug (wer hätte damit rechnen können, das hier mal was richtig schnell geht) am Flughafen von Chennai vorbeikommt, wollen wir da nurmal kurz nachfragen, ob wir unser Gepäck schonmal da lassen können und uns danach zum Mittagessen absetzten können.

Leider kommt man aus nem indischen Terminal nicht wieder raus, wenn man einmal drin ist... direkt am Eingang gibt's Wachpersonal, das nachschaut, ob man ein Ticket hat - sosnt kommt wirklich keiner rein - aber wenn man drin ist, ist man drin. Das heißt: 8 Stunden Wartebank, ein neuer Terry Pratchett Roman für mich und eine Lebensmittelvergiftung für Jan am morgen danach.

Man wird zwar immer vor Ständen am Straßenrand gewarnt, aber Snackbars im Flughafen und kaum besuchte Restaurants in Shopping Malls scheinen noch zuverlässiger zu Kotzerei zu führen.

KURSANMELDUNG

Wir müssen unsere Studiengebühre zahlen. ca. 2000 Euro pro Person. In indischen Rupien sieht das dann so aus - größere Scheine als 1000 Rupien (16 €) gibt's hier nicht.

Das hat dann auch für die Geldautomaten Konsequenzen:
Maximal könnnen 40 Scheine auf einmal ausgezahlt werden - mehr passt nicht durch den Schlitz.
Unsere Geldbeutel konnten wir nicht mehr zusammen falten und in die Hosentaschen passten die auch nicht mehr.

Natürlich wird auch die Kursanmeldung zu einem 3-tägigien Bürokratie-Alptraum... Wir müssen noch irgendwelche Unterschriften vopn irgendwelchen Profen einholen - aber die genauen Details erpare ich euch.

GEBURTSTAGSESSEN (14.7.)

An meinem echten Gebrutstag war ich nicht aufnahmefähig, also holen wir das nach. Diesmal gibt's ein All-You-Can-Eat in der "Kabab Factory". Nachdem ich mich mit ganz vielen Grillteilen von Hühnern und Hammeln pappensatt gefuttert hab, sagt mir jemand "Ok. That was the starter. Now we have the main course."

Nachdem ich mch auch um den nachtisch gekümmert hab, fragt der Kellner wie es denn so gefallen hat. "Very good, but too much" - "That's our concept, sir."